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Stadt Oldenburg Geschichte - Umgehungsstraße - Alte Straßennamen - Made in Oldenburg - Oldenburger Ansichten - Der Oldenburger Residenz-Bote - Vor 22 Jahren fuhr die Bahn zur Norddeutschen Riesenfete - Eversten-Bloherfelde  - Oldenburger Sagen



Geboren wurde ich in Oldenburg, wo ich heute noch lebe, daher zunächst etwas über meine Stadt Oldenburg (Oldb):

Größe: 10.296 ha groß, Einwohner am 31.12.2008: 160.279, Bundesland Niedersachsen, Kfz-Zeichen: OL 
Oldenburger Lokalsender siehe: www.oeins.de/

Oldenburger Stadtwappen als Blumenbeet ©Klausdstolle.

Gesichtlicher Überblick 

1108: erstmals als "Aldenburg" urkundlich erwähnt  - 06.01.1345: Graf Konrad I. von Oldenburg verleiht Oldenburg bremisches Stadtrecht - 1448: Graf Christian von Oldenburg wird König von Dänemark - 1603-1667:  Regentschaft Graf Anton Günthers   1667: Pest in Oldenburg - 1667-1773: Oldenburg unter dänischer Herrschaft - 1676: Großbrand zerstört die Stadt – 1680: Eingem. des Inneren Damms und der Mühlenstraße -1773: Oldenburg fällt vertragsgemäß an Holstein-Gottorp – Residenzstadt des Herzogtums - 1785: Die Stadt wird unter Herzog Peter Friedrich Ludwig im klassizistischen Stil umgestaltet  - ab 1789: Abtragung der Wälle, Schleifung der Festigungsanlagen – 1808 Huntestr. u. mittlerer Damm kommen zur Stadt -1811/1813: französisch besetzt (Mairie Oldenburg) – 1814: Aufteilung der Oldenburg umgebenen Hausvogtei Oldenburg in die Landgemeinden Oldenburg und Osternburg - 1815–1918 Residenz des Großherzogtum – 1833: Durch neue Stadtordnung gliedert sich die Stadt in die Bereiche Stadt u. Vorstädte sowie dem Stadtgebiet (Bürgerfelde) – 1855 Eingemeindung des Dammviertels - 1867: Eisenbahnanschluss – 1885: Eingliederung von Teilen des Stadtgebiet in die „Engere Stadt“ - 1918: Der Großherzog dankt ab - 1919 Hauptstadt des Freistaates Oldenburg – 01.10.1922 Zusammenschluss von Bürgerfeld und der Engeren Stadt zum Stadtteil Oldenburg und Eingemeindung von Osternburg, das in Stadtteil und ein Stadtgebiet (bis 1933) aufgeteilt wird – 01.08.1924 Teile der Gemeinde Eversten werden als Stadtteil Eversten in die Stadt eingemeindet, der Rest bildet die neue Gemeinde Ofen – 15.05.1933 Eingemeindung der Gemeinde Ohmstede (Nordteil mit Wahnbek kommt zu Rastede) - 1933-1945:  "Gauhauptstadt" Weser-Ems - 3.Mai 1945 Besetzung durch kanadische Truppen – 1945-1946 Hauptstadt des wiedererrichteten Land Oldenburg  - 1945: Anwachsen zur Großstadt durch Aufnahme von 42 000 Flüchtlingen (Einwohnerzahl 1950: 120 000) - 1946 Oldenburg geht in das neugebildete Land Niedersachsen über, Sitz des Präsidenten des Niedersächsischen Verwaltungs-bezirks Oldenburg von 1946–1977 – 1967: Einweihung der Fußgängerzone, eine der ersten Deutschlands - 1973: Gründung der Universität Oldenburg - 1978 -2004: Hauptstadt des Regierungsbezirkes Weser-Ems 2000 Eröffnung Horst-Janssen-Museum – 2005 Olantis Huntebad, EWE-Arena - 2009 Stadt der Wissenschaft -  
Weitere Informationen unter www.oldenburg.de

2. Vor über 70 Jahren begann die Planung der Umgehungsstraße
     in Oldenburg

Im Jahre 1939 begannen die Planungen für die Stadtumgehung in Oldenburg, das Innenministerium forderte das Oldenburger Stadtbauamt auf eine entsprechende Trassen Führung vorzulegen, die den Verkehr der Reichsstraßen 69 und 75 aufnehmen sollte. Dieses Verkehrsvorhaben hatte damals absoluten Vorrang, denn es diente vor allen dazu, den Militärverkehr zwischen den über das Stadtgebiet verteilten Kasernen aus der Innenstadt herauszuhalten. Der um 1940 vom Stadtbauamt vorgeschlagene Verlauf der Trassen entsprach in etwa dem Verlauf der heutigen Westumgehung im Zuge der A 28 bzw. A 293 vom Autobahnkreuz Oldenburg Ost bis zur heutigen Autobahnanschlussstelle Nadorst. 

In einem ersten Abschnitt des Baues der Umgehungsstraße wurden zwischen Mai 1940 und August 1942 der nördliche Abschnitt von der Nadorster Straße bis zur Ammerländer Heerstraße und der südliche Abschnitt vom Prinzessinweg bis Cloppenburger Straße mit zweispuriger Fahrbahn fertiggestellt. Im Zuge dieser Stadtumgehung wurde auch die Hauptstraße von dem neuen Verkehrszug in Höhe der Hundsmühler Straße, von der ein kleiner Teil in diese Umgehung miteinbezogen wurde, ebenerdig gekreuzt. Als man im Sommer 1943 die Arbeiten für die Stadtumgehung kriegsbedingt einstellen musste, war vom fehlenden Teilstück im Stadtwesten nicht nur die Brücke über den Fluss Haaren fertig gestellt worden, sondern auch schon mit Dammaufschüttungen begonnen worden, so das die künftige Straßenführung bereits sichtbar war. Die Verbindung des nördlichen und südlichen Abschnittes der Umgehungsstraße erfolgte auf dem zwischen Ammerländer Heerstraße und Bernhardstraße fehlenden Teil zunächst provisorisch über den Prinzessinweg. Noch bis in die sechziger Jahre quälte sich hier, der von Jahr zu Jahr stärker werdende Fernverkehr durch die vorher so beschauliche Wohnstraße. Nachdem in den fünfziger Jahren zunächst der fehlende Abschnitt zwischen Cloppenburger Straße und Bremer Heerstraße fertig gestellt worden war, wurde das fehlende Teilstück im Stadtwesten erst Anfang der sechziger Jahre in Angriff genommen.

Blick von der Bloherfelder Straße auf die Brücke an der alten Molkerei in Richtung Haaren  (Foto A.Stolle)

Zum Osterfest 1964 rollte dann der Autoverkehr über das westlich des Prinzessinweg als Hochbrücke neugebaute Verbindungsstück. Diese Hochbrücke überspannt auch die bereits während des Krieges fertig gestellte Haarenbrücke, da diese ja noch für den ursprünglich geplanten ebenerdigen Verlauf der Stadtumgehung errichtet worden war. Während an der Gneisenaustraße eine weitere Brücke errichtet wurde, wurde die Verbindung der Scharnhorststraße zum Prinzessinweg gekappt, seitdem endete die Straße an der Dammaufschüttung der Umgehungsstraße.

Brücke über die Gneisenaustraße Blickrichtung zum Prinzessinweg. (Foto A.Stolle)

Der niveaugleiche Abschnitt der Umgehung begann nun erst kurz vor der Kreuzung mit der Hauptstraße. Diese Kreuzung sollte sich in den Folgejahren zu einem berüchtigten Engpass mit vielen Verkehrsstaus entwickeln, der erst 1975 durch die Hochlegung des Verkehrsweges im Zuge des erfolgten Umbaus zur Autobahn beseitigt wurde.

3. Alte Straßennamen in Oldenburg

Auch in der Stadt Oldenburg gibt es Straßen, die in früheren Zeiten mal einen anderen Namen trugen, wie zum Beispiel die Straße Schlossplatz, die bis 1913 Innerer Damm hieß. Umbenennungen gab es auch in Folge der Eingemeindung von Osternburg, Eversten und Ohmstede, da es nun einige Straßennamen doppelt in Oldenburg gab, wie zum Beispiel die Lindenallee. Die in Eversten liegende Lindenallee erhielt daher den neuen Namen Haarenfeld, den der vorher zur Stadt Oldenburg gehörende Straßenabschnitt bereits führte. Auch der heutige Uhlhornsweg hieß einmal Lehmkuhlenweg und der Hotingsweg heißt heute Quellenweg, da dort zeitweise eine Heilquelle betrieben wurde. In der Nazizeit wurde nicht nur die Straße Abraham in Winkelgang umbenannt, auch alle Straßen, die den Begriff Chaussee trugen wurden umbenannt. So wurde zum Beispiel aus der Bremer Chaussee, die Bremer Heerstraße und aus der Ofener Chaussee, die Ammerländer Heerstraße und die Bloherfelder und Hundsmühler  hießen statt Chaussee fortan Straße. Die vom Melkbrink in Richtung Norden verlaufende Alexander Chaussee bekam den Namen Alexanderstraße, der vorher nur für den vorderen Abschnitt bis zum Melkbrink galt. Auch die ab Bürgerstraße beginnende Donnerschweer Chaussee hieß nun wie der vordere Teil  Donner-schweer Straße. Die Nadorster Chaussee wurde zwischen Hochheider Weg und Etzhorner Weg ein Teil der  Nadorster Straße und der übrige Teil hieß fortan Wilhelmshavener Heerstraße. Aus dem Edewechter Weg wurde damals übrigens die Edewechter Landstraße. Die Namen wurden auch nach 1945 beibehalten, nur wenige Straßen und Plätze, die nach Nazigrößen benannt wurden, erhielten ab Mai 1945 ihren alten Namen zurück, wie zum Beispiel die Carl-Röver-Straße, die nun wieder in Heiligengeiststraße umbenannt wurde. Die Straße Winkelgang erhielt dagegen erst vor einigen Jahren seinen historischen Namen Abraham zurück.

Es gab aber auch Umbenennungen von Straßenteilen, als Anfang der 40er Jahre durch den Bau der Umgehungsstraße der Nedderend getrennt wurde erhielt der auf der westlichen Seite liegende Straßenteil und die neue Zufahrtstraße den Namen Babenend. Auch nach 1945 hat es Umbenennungen von Straßen gegeben, so erhielt die Brunnenstraße in Osternburg den Namen Hermann-Ehlers-Straße, nach dem 1954 verstorbenen Bundestagspräsidenten, der zuletzt in Oldenburg lebte und aus dem Schaftriftsweg in Kreyenbrück wurde die Klingenbergstraße. Einige Straßen hatten nur eine kurze Lebensdauer, wie die Zwischenahner Straße, der Name des Zubringer aus dem Ammerland zur Umgehungsstraße verschwand nach dem Umbau des Straßenzuges zur Autobahn wieder. In Bloherfelde trug die Acordialstraße kurzzeitig den Namen Käthe-Kollwitz-Straße, da die damals dort ansässige Firma die Straße nach ihren Markennamen benannt haben wollte, befindet sich die Käthe-Kollwitz-Straße heute im Stadtnorden.


Bild oben: Das Haus Tannenkampstraße 37 auf der rechten Seite unten wohnten meine Großeltern, später gehörte das Haus zum Christopherweg und an der Kurve begann die Huntemannstraße,

Aber auch historisch gewachsene Straßenzüge erhielten im Laufe der Erschließung neuer Siedlungsgebiete unterschiedliche Straßennamen ein gutes Beispiel sind in Eversten die Blücherstraße und die Tannenkampstraße. Die Blücherstraße trägt zwar erst seit 1904 diesen Namen, aber die vorherige Moorstraße war lange Zeit eine der wichtigsten Verbindungen von der Stadt ins Moor. Noch bis Mitte der dreißiger Jahre begann die Blücherstraße bereits am Prinzessinweg und führte zunächst in nordwestlicher Richtung bis sie nach Südwesten zur Eichenstraße abbog. Als an dieser Kurve eine neue Stichstraße zur Bloherfelder Straße angelegt wurde, kam es auf zwei Abschnitten der Straße zu Umbenennungen. Der Abschnitt zwischen Prinzessinweg bis Scharnhorst-straße heißt seitdem Gneisenaustraße, der Abschnitt bis zur Kurve und die neue Stichstraße wurden der ebenfalls von Prinzessinweg kommenden Scharnhorst-straße zugeschlagen. Seitdem heißt nur noch der in südwestlicher Richtung zur Eichenstraße verlaufende Teil Blücherstraße. Als in den sechziger Jahren die Umgehungstraße gebaut wurde verlor die Scharnhorststraße die Verbindung zum Prinzessinweg, dafür gelangte man aber schon bald auf einer neuen Stichstraße zur Tannenkampstraße und auf dieser zur Hauptstraße. Die neue Stichstraße erhielt auch den Namen Tannenkampstraße. Da diese Straße vorher einen anderen Verlauf zur Scharnhorststraße gehabt hatte erhielten die alten Abschnitte die neuen Straßennamen Christopherweg und Huntemannstraße.

Blick zum Christopherweg vormals Tannen-kampstraße während des Baues des Studentenheims

Heute befindet sich auf dem Grundstück das erweiterte Gelände des Friedhofs Eversten


4. Made in Oldenburg - Straßenbahnwagen

In Oldenburg fuhr zwar nie eine elektrische Straßenbahn, aber es wurden in der Stadt bei der Wagenbauanstalt Oldenburg AG (WOAG) unter anderen auch Straßenbahnwagen gefertigt. So entstanden dort 6 Triebwagen, die eine elektrische Ausrüstung der Siemens-Schuckert-Werke (SSW) erhielten, außerdem baute man 6 Straßenbahnbeiwagen. Alle diese Fahrzeuge waren ab 1925 auf den Straßenbahnstrecken der Stadt Osnabrück im Einsatz. Alle Wagen hatten seitlich 2 kleine und 2 große Fenster, Torpedodach, Quersitze und teilverglaste Plattformen mit freien Türöffnungen. Anfangs hatte diese im unteren Bereich Klapptüren, die später auch in Fensterhöhe mit Falttüren verschlossen werden konnten. Ab 1947 wurden die Ein und Ausgänge schließlich mit Schiebetüren verschlossen. Die Triebwagen hatten Fahrgestelle mit Gleitlagern, die allerdings 1945 unbrauchbar geworden waren. Erst nach dem Ankauf von 7 Fahrgestellen mit Rollenlagern von Triebwagen, die in Hildesheim während des Krieges zerstört worden waren, konnten die „Oldenburger“ Triebwagen instandgesetzt werden. Während der Triebwagen 8 ab 1948 als Schienenschleif- und Reklamewagen fuhr, waren alle anderen Trieb- und Beiwagen bis 1959 in Betrieb. Die letzten Beiwagen wurden erst mit der Einstellung des Straßenbahnbetriebs in Osnabrück 1960 ausgemustert. Die Herstellerfirma WOAG hatte übrigens bereits im Jahre 1926/27 ihren Betrieb eingestellt.
Quelle:  Dieter Höltge Straßenbahnen und Stadtbahnen in Deutschland Band 2 Niedersachsen/Bremen

5. Alte Ansichten - 

über 140 Jahre Ansichtskarte 

In Oldenburg (Oldb) wurde einst die Ansichtskarte erfunden, schon am 16. Juli 1870 bedruckte der Hofbuchhändler August Schwartz (* 29.05.1837 Dortmund t 23.05.1904 Oldenburg) eine Korrespondenzkarte mit dem Bild eines Kanoniers und schickte sie zu seinen Schwiegereltern nach Magdeburg. Diese Karte wird allgemein als erste Ansichtskarte angesehen, so dass Schwartz als Erfinder der bedruckten Bildpostkarte gilt. Die meisten Ansichtskarten aus den 20er bzw. 30er Jahren, die mein Vater gesammelt hat, waren schwarzweiß. Als Kind fanden bei mir allerdings die wenigen farbigen Postkarten, mein Interesse, da sie sich von den heutigen Karten sehr unterschieden. Meist waren es Ansichtskarten aus der Bergwelt. Aber auch einige farbige Karten aus dem alten Oldenburg wie dem Theater oder Augusteum am Damm waren dabei.




Mein Opa Karl Peper erzählte mir mal von der Zeitung „Oldenburger Residenz-Bote“. Dabei handelte es sich um eine linksliberale satirische Zeitung, die ab 28.11.1902 jeden Sonnabend erschien und seinerzeit eine schärfere Note in die Zeitungslandschaft des Großherzogtums Oldenburg brachte. Mit seinen bissigen Kommentaren und Karikaturen politisierte das im Verlag des Nordwestdeutschen Literatur-Bureaus an der Ofener Straße 5 von Hans Biermann herausgebende Blatt die öffentliche Meinung. So wurden zum Beispiel 1902 und 1903 Karikaturen zur Landtagsdiskussionen über die Einführung eines neuen Wahlrechts oder am 17.08.1907 über das vom Delmenhorster OB Erich Koch veranlasste Vorgehen der Polizei gegen italienische Streikbrecher im Delmenhorster Bauarbeiterstreik veröffentlicht. Aufsehen in ganz Deutschland gab es für den Residenzboten, als der Chefredakteur Hans Biermann den Leitenden Minister im Großherzogtum Oldenburg Franz Friedrich Ruhstrat in den Jahren von 1902 bis 1905 bezichtigte an einer Spielaffäre beteiligt gewesen zu sein. Bei den Glücksspielen soll auch ein Mitspieler Selbstmord begangen haben. In den vom Minister gegen seine Gegner geführten Beleidigungsklagen wurde auch Biermann zu einer empfindlichen Strafe verurteilt. Diese Urteile der Oldenburger Gerichte wurden seinerzeit in der überregionalen Presse als „Justizskandal“ bezeichnet. Da Biermann eine Bewährungsstrafe erhielt musste er später wegen eines anderen Artikels für einige Zeit ins Gefängnis. Das Blatt erschien zwar weiter, geriet aber in dieser Zeit in die roten Zahlen, so dass Biermann durch Verkauf seines Hauses die Zeitung rettete. Die Haft hatte aber auch zur Folge, dass der Residenzbote seine scharfe Note verlor und sie leider auch so nach 1918 nicht wieder fand. Aus dem vorher „Kritisch-satyrisches, politisches und unterhaltendes Wochen-blatt mit Illustrationen“ wurde ein „Vollkommen unabhängiges politisches Wochenblatt mit volkstümlichem illustrierten Unterhaltungs-teil“. Trotzdem wurde der lange Zeit bei Dannemann & Thoms gedruckte Oldenburger Residenzbote im Jahre 1934 von den Nazis verboten. Nach 1945 erfolgte ein Neustart durch Herrn Alfred Wenzel, der mit Biermann gut bekannt war und unter dem alten Namen die Zeitschrift neu auflegte. Sein Stiefsohn Hans Bartz erinnert sich noch heute an die Zeit als er als Schüler das Heft von Haus zu Haus verkaufte. Leider kam es später von Seiten Biermanns zu Differenzen, so das Wenzel den Namen der Zeitung in "Oldenburger Bundesbote" ändern musste, was schließlich zum Ende des kritischen Blattes führte. Laut einem Artikel in dem Buch „Oldenburger Stadtgeschichte“ existierte der Residenzbote im Juli 1950 aber noch unter den alten Namen, denn damals soll in einem Artikel der Zeitschrift das Wohnungsamt der Stadt Oldenburg als "Haus der tausend Seufzer" bezeichnet worden sein. Leider sind die Informationen die man über den Residenzboten heute findet sehr spärlich. Im NDR-Fernsehen wurde vor Jahren mal in einer Dokumentation über Biermann und seine Zeitung berichtet.


Auch wenn sich heute so mancher beklagt, dass selten große Musikstars in der Weser-Ems-Halle Oldenburg auftreten, dann und wann fanden auch Künstler aus der Musikbranche wie z. B.Tina Turner, Sting oder Deep Purple (06.10.1991), die Scorpions (04.01.1991) oder Bon Jovi (09.12.1989) in die Halle. Ich selbst erinnere mich noch an die zwei Openair Konzerte im Jahre 1983 von Joe Cocker (26.08.) und Karat, die vor dem Bau der Messehalle im damaligen Innenhof der Weser-Ems-Halle in den achtziger Jahren stattfanden. Während ich Joe Cocker, aber erst Jahre später in der Stadthalle Bremen erlebte, habe ich das Konzert der DDR-Band „Karat“ selbst life miterlebt. Dann war es  aber auch erst mit Open Air vorbei, denn es gab Beschwerden von Anwohnern, da der Lärm bis in die südlichen Stadtteile zu hören gewesen sein soll. Außerdem wurde damals der Ruf laut den Innenhof für Veranstaltungen wie z.B. die jährliche Hengstkörung zu überdachen. So entstand dort die Messehalle, die sogar für Fernsehübertrag-ungen,   wie „Wetten dass“, „Verstehen Sie Spaß“ oder „Musikkantenstadel“ genutzt wurde.

Ein besonderes Highlight war aber die Norddeutsche Riesenfete von NDR 2 Aufgrund des 15jährigen Jubiläums der Sendung „Club auf NDR 2“ fand am 03.12.1984 in der neuen provisorisch hergerichteten Messehalle eine Riesenfete mit 12.000 Besuchern und Auftritten von Herbert Grönemeyer, Shakatak, Rodgau Monotones und Lake statt. Aus verschiedenen Regionen Norddeutschlands waren die Besucher mit mehreren Sonderzügen der DB nach Oldenburg angereist. Die Züge fuhren damals zunächst zum Hauptbahnhof und wurden von dort weiter über ein Zubringergleis direkt zur Weser-Ems Halle geleitet, dort hatte man eigens einen Sonderbahnsteig eingerichtet, daher konnten die Besucher von dort ohne weite Wege direkt in die Messehalle gelangen. Aufgrund des Erfolges der Veranstaltung fand im Jahr 1985 die Riesenfete nun sogar an 2 Tagen statt. Am 06.12. und am 07.12.1985 brachten wieder Sonderzüge aus dem gesamten Sendegebiet des NDR die Besucher direkt zur Weser-Ems-Halle um dort Peter Maffay, Klaus&Klaus, Die Strandjungs, Time Bandits, Channel 5, Tony Carcy, Ian Cussick und Level 42 live zu erleben. Die Riesenfete wurde in den nächsten Jahren zu einer festen Institution in Oldenburg. Nachdem das Zubringergleis zur Halle aus Sicherheitsgründen aufgegeben werden musste, konnten die Sonderzüge allerdings nur noch bis zum Hauptbahnhof fahren.

Bei den folgenden Riesenfeten traten folgende Künstler auf: 05.12./06.12.1986: Heinz Rudolf Kunze, Trio, Rio Reiser, S.O.S. Band, Chris Andrews, The London Boys, Future; 11.12./12.12.1987: Bryan Adams, Klaus Lage, Jonathan Butler, The Other Ones und die Hamburger Arroganz; 02.12./03.12.1988: Falco, Jule Neigel, Purple Schulz, Ruby Turner; 01.12./02.12.1989: Cutting Crew (s.Bild), Marius Müller-Westernhagen, Roxette, Spider Murphy Gang; 07.12./08.12.1990: BAP, Toto, Laid Back, Restless Hearts,Cagey Strings, Norbert und die Feiglinge und Klaus & Klaus; 06.12./07.12.1991: Huey Lewis & the News, Chesney Hawkes, Torfrock, Die Prinzen, Achim Reichel. Am 04.12. und 05.12.1992 sahen 27.000 Besucher Kim Wilde, Bob Geldorf, Smokie, Pur und die Münchner Freiheit.

Am 29.05.1993 fand dann zum 10jährigen Jubiläum der Riesenfete eine Open Air-Veranstaltung mit Dr.Alban, Heinz Rudolf Kunze, Achim Reichel, Klaus Lage, dem Captain Hollywood Project und den Romeos aus Oldenburg statt, zudem 30.000 Zuschauer kamen. Am 04.12.1993 traten dort Gianna Nannini, Crowded House, Cut`n` Move und Paradocs auf. Außerdem die Gruppe „The Hooters“, die einen Livemitschnitt für ein Album aufnahm. Am 03.12.1994 fand die letzte Riesenfete mit  Jule Neigel, und den Bands Die Prinzen, Illegal 2000, Crash Test Dummies und Six Was Nine statt. Leider gab der NDR dann die Riesenfete in Oldenburg  auf, angeblich weil es nicht genug gute Musik auf den Markt gab, wie Volker Thormählen im Oktober 1995 meinte, als er das Aus für diese traditionelle Veranstaltung verkündete. Ein weiterer Grund war wohl das auch in anderen Regionen des Sendegebietes NDR-Veranstaltungen stattfinden sollten. Zudem wurde die Halle laut NWZ-Berichten aus dieser Zeit von einigen bedeutenden Veranstaltungsagenturen aufgrund neuer Vertragsbedingungen nach dem Wechsel der Hallenleitung im Jahre 1991 gemieden. 1995 erfolgte auch die Gründung der Weser-Ems-Halle Oldenburg GmbH, die nun für den Veranstaltungsbetrieb zuständig war. Es fand hier am 13.12.1996 auch einer der ersten Live-Auftritte der Backstreetboys statt, aber man konzentrierte sich doch nun mehr auf die profitableren Ausstellungen.

Erst im April 2000 gab es mit dem von der Nordwest-Zeitung veranstalteten Popfestival „Inside the night“ eine mit der Riesenfete vergleichbare Musikveranstaltung, auch wenn diese für ein etwas jüngeres Publikum gedacht war. Ab 2001 fand „Inside the night“ dann als Winterpopfestival auch im Dezember statt. Es traten dort Künstler wie z.B. Vivid, Oli P., Sabrina Setlur (2000), No Angels, Blue, Atomic Kitten, ATC (2001), Ben, Brosis, Band ohne Namen (2002), Scooter (2003, 2004), Patrick Nuo (2003, 2004), Jeanette (2001, 2003), Gracia, Before Four (2003), Blue Lagoon, Sandy, 3rd Wish, Jimmy Somerville, Vanilla Ninja (2004), DJ Tomekk (2002, 2003, 2004) auf. Die US-Boyband B3 (John Sutherland, Blair Late, Tim Cruz) die von 2002 bis 2004 Dauergast bei Inside the night war, sorgte im Jahre 2003 für Aufregung, da sie erst in letzter Minute eintrafen, da sie zuvor einen Live-Auftritt in der ZDF-Show „Ein Herz für Kinder“ absolvieren mußten und sich der Flug von Berlin nach Ganderkesee wegen Nebels beim Start und der Landung verzögert hatte. Am 11.12.2004 wählte B3 schließlich das Winterpopfestival für ihren Abschiedsauftritt aus, dass dies aber auch der Abschied des Winterpopfestival in Oldenburg überhaupt sein sollte, ahnte damals allerdings wohl noch niemand. 

Mit dem NDR-City-Festival vom 15.09. bis 17.09.2006 kehrte aber 12 Jahre nach der letzten NDR-Riesenfete wieder eine vom NDR organisierte Musikgroßver-anstaltung auf dem Freigelände der Weser-Ems-Halle zurück, obwohl Platz für 11.000 Besucher vorhanden war, kamen am Freitag den 15.09.2006 etwa 7.000 Besucher zu Auftritten von Sasha, Texas Lightning, Kira und Rosenstolz. Am 16.09. erlebten noch 6.000 Menschen Sebastian Hämer, Pohlmann, Culcha Candela, die Sängerin Somersault und Revolverheld, die mit Titeln wie "Freunde Bleiben" und "Mit Dir Chillen" den Abschluss bildeten. Am Sonntag wollten aber nur noch 3.000 Leute beim Oldieabend Harpo, Georg Mc Crae, Boney M., Dave Dee Dozy Beaky Mick & Tich und Showaddywaddy mit erleben. Angesichts der Besucherzahlen ist es daher wohl sehr fraglich, ob es noch mal eine ähnliche Großveranstaltung geben wird.



Geboren wurde ich in Oldenburg (Oldb), bis zum 30. Lebensjahr wohnte ich am Osterkampsweg in Eversten, danach zog ich nach Bloherfelde. Beides sind Stadtteile die im Südwesten von Oldenburg liegen. Diese Gebiete gehören erst seit der Eingemeindung der früheren Gemeinde Eversten im Jahre 1924 zur Stadt Oldenburg. Allerdings wurde nur der östliche Teil mit den ehemaligen Bauern-schaften Eversten I, Eversten II, Eversten III, Eversten IV, Nordmoslesfehn, Bloherfelde, Wechloy und Alexanderfeld, nach Oldenburg eingemeindet. Die eher ländlichen westlichen Gebiete der Gemeinde mit Metjendorf, Ofenerfeld, Ofen, Wehnen, Bloh, Petersfehn I , II, Friedrichsfehn und dem Wildenloh bildeten die neue Gemeinde Ofen, die bis 1933 bestand. Die zur Stadt Oldenburg gekommenen Gemeindeteile bildeten laut einer Stadtkarte von 1925 den neuen Stadtteil Eversten und umfassten den gesamten Westteil der Stadt Oldenburg. Mittlerweile wurden daraus aber (von Nord nach Süd aufgezählt) die Stadtteile Alexandersfeld, Wechloy, Bloherfelde, Eversten und Nordmoslesfehn.

Die frühere Gemeinde Eversten war in zwei evangelischen Kirchengemeinden aufgeteilt, im Norden die Pfarrgemeinde Ofen mit Petersfehn, Wechloy, Ofen, Metjendorf und Bloh. Der südliche Teil bildete die Pfarrgemeinde Eversten zu der neben Bloherfelde, Friedrichsfehn und Nordmoslesfehn, auch die in der Gemeinde Wardenburg liegenden Ortschaften Hundsmühlen und Südmoslesfehn gehörten.

Immer wieder beschäftigen sich Leute mit der Frage welche Gebiete eigentlich genau zu Eversten und welche zu Bloherfelde gehören. Eine offizielle Grenze zwischen den Stadtteilen wurde von der Stadt Oldenburg nie festgelegt und das dürfte auch nicht so einfach sein. Ursprünglich gehörte Bloherfelde zur Bauernschaft Bloh und bestand aus Bauernhöfen und einigen Häusern an der Bloherfelder Straße. Zwischen dieser und dem südlich gelegenen Osterkampsweg, der zu Eversten III gehörte, gab es bis zur Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nur Felder und Wiesen und ein paar Bauern-häuser. Ungefähr in der Mitte dieser unbebauten Fläche lief eine Wallhecke, früher als Kind nahm ich mal an, dass dies die Grenze zwischen den Stadtteilen wäre, obwohl das südlicher liegende Bauernhaus der Fam. Schütze, eine Hausnummer der Bloherfelder Straße hatte. Um 1964 wurde begonnen diese Flächen zu bebauen. Die Bebauung erfolgte unter den Namen „Demonstrativ-programm Eversten-Bloherfelde“. Von der Bloherfelder Straße wurden zunächst zwei Stichstraßen (Freiherr-vom- Stein-Straße und  Kennedystraße) in Richtung Süden bis zum heutigen Bloherfelder Wasserzug  gebaut. Eine durchgehende Verbindung zum Osterkampsweg entstand noch nicht, da die südliche Hälfte der Felder die wir „Kamp“ nannten noch nicht bebaut wurde. Kurz vor Ende der Kennedystraße zweigte die Theodor-Heuß-Straße in östlicher Richtung ab, und machte später einen Knick in nördlicher Richtung um dann in die Bloherfelder Straße einzumünden. An diesem Knick entstand das  Gymnasium Eversten.  Die Adressen der von der Neuen Heimat an der Theodor-Heuss-Straße errichteten Wohnblocks führten in ihren Anschriften übrigens die Bezeichnung Oldenburg-Eversten. Da die Erschließung des Neubaugebietes von der Bloherfelder Straße erfolgte wurde später das gesamte „Kennedy-Viertel“ dem Stadtteil Bloherfelde zugerechnet. Spätestens nachdem sich am 01.01.1970 die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eversten in vier Kirchengemeinden aufgegliedert hatte und das „Kennedy-Viertel“ ganz der neuen Kirchengemeinde Bloherfelde zugeordnet wurde, sahen viele dieses Gebiet in seiner Gesamtheit als Teil von Bloherfelde an. Seitdem galt inoffiziell der Bloherfelder Wasserzug als Grenze zwischen Bloherfelde und Eversten.

Im 2000 erschienen Buch „Eversten“ von Georg Bredehorn liest man, das der Wasserzug die Grenze zwischen den Bauernschaften Eversten II bzw. III und Bloherfelde seit 1909 gewesen wäre, schaut man sich die veröffentliche Karte näher an, so könnte man das anzweifeln. Denn dort läuft die gezeichnete Linie durch das E von Eversten. In den siebziger Jahren wurde die Kennedystraße bis zum Osterkampsweg verlängert, während auf der östlichen Seite Sportplätze entstanden wurden die Flächen auf der Westseite bis zum Osterkampsweg bebaut, allerdings nicht wie zuerst geplant mit Einfamilienhäusern, sondern wie bereits an der übrigen Kennedystraße mit Wohnblocks. Mit der Bebauung dehnte die Kirchengemeinde Bloherfelde ihr Gemeindegebiet bis nördlich des Osterkampsweges aus. Als in einen Prospekt der Stadtteil Bloherfelde sogar bis fast zum Küstenkanal unter Einschluss des Everstenmoor dargestellt wurde, kam vom Bürgerverein Eversten jedoch Protest. Es wurde sogar die Forderung laut, das die Stadtteilgrenzen genau festgelegt werden. Die Oldenburger Bürgervereine gaben im Oktober 2005 einen Stadtplan heraus, auf den die Grenzen der einzelnen Vereine verzeichnet sind. Bei einigen gibt es jedoch Überschneidungen, da sich die Vereine nicht einigen konnten. Zwischen den Bürgervereinen Oldenburg-Eversten und Bloherfelde ist wieder der Bloherfelder Wasserzug als Grenze eingezeichnet. Die zwischen Prinzessinweg und Eichenstraße nördlich der Bloherfelder Straße liegenden Gebiete wurden dem Bürgerverein Haarentor-Wechloy zugeordnet, obwohl die historische Grenze zwischen Haarentor (Stadt Oldenburg) und Eversten weiter nördlich nahe der Haaren lag. Somit dürfte diese Karte auch nur für die Bürgervereine eine Bedeutung haben. 

9. Einkauf in den Fünfzigern

Noch in den fünfziger Jahren sicherten viele kleine Lebensmittelhändler den täglichen Bedarf, so gab es auch am Osterkampsweg  106 den Lebensmittel-laden der Eheleute Nixstadt, ein typischer kleiner „Tante Emma-Laden“, in dem man noch bedient wurde und der tägliche Bedarf eingekauft wurde. Als die Betreiber die Altersgrenze erreicht hatten wurde der Laden in den  sechziger Jahren jedoch aufgegeben und für Wohnzwecke umgebaut. Verschiedene Bäcker fuhren noch mit ihren Brotwagen durch die Stadtteile, am Osterkampsweg waren es die Bäcker Kröger, Krumland und Graef, letzterer lange Zeit noch mit Pferd und Wagen. Täglich fuhr Helmut Stamereilers mit seinen Milchwagen durch den Stadtteil, später schaffte er sich einen größeren Verkaufswagen an und verkaufte auch Lebensmittel.  An der Eichenstraße besaß er auch einen eigenen A&O-Laden, gegenüber betrieb die Familie Müller neben einer Kohlenhandlung ebenfalls einen Lebensmittelhandel ( Centra). Ein zweiter Centra-Markt wurde von seinem Sohn Egon Müller betrieben. Dieses Geschäft war der größte der drei Lebensmittelläden in der Eichenstraße. Besser bekannt unter dem Namen „Emken“, dies war der Name des vorherigen Inhabers des Feinkostgeschäftes, das sich auf dem südwestlichen Eckgrundstück Eichenstraße / Staakenweg befand. Das Gebäude Eichenstraße 41, das sich weiterhin im Besitz der Familie Emken befand hatte damals noch einen markanten Erkerturm mit durchgängigen Seiteneingängen, erst vom Turminneren konnte man die Eingangstür zum Geschäft betreten. Der Laden hatte eine lange Ladentheke mit Glasscheiben, ich erinnere mich noch an den Käsegeruch.  Als Anfang der sechziger Jahre das Gebäude für einen  SB-Markt umgebaut wurde, erfolgte leider auch der Abriss des Eckturmes um so einen direkten Zugang zu dem Ladenlokal zu schaffen. Das Haus selbst steht auch heute noch und beherbergt heute einen Textilladen.

10. Der Kamp

Heute kaum noch vorstellbar aber noch bis Mitte der 60ern wurden die Flächen zwischen dem mittleren Osterkampsweg und der Bloherfelder Straße noch landwirtschaftlich genutzt. Ab Lüntjenweg war nur die Südseite des Osterkampsweges bebaut, auf der Nordseite befanden sich außer 3 Bauern-häusern nur Wiesen und Äcker. Schräg gegenüber vom Lüntjenweg verlief östlich der heutigen Kennedystraße in nördlicher Richtung ein Genossenschaftsweg, den man auch Schützes Weg nannte. Der am Beginn des Weges am Osterkampsweg vorhandene üppige Baumbestand blieb bis heute erhalten. Etwa in Höhe der heutigen Thomas-Dehler-Straße, gab es eine Gabelung in nördlicher Richtung führte ein Feldweg, den man Kamp nannte und an dem es einen größeren Baumbestand gab, dieser knickte nach einigen Metern in östlicher Richtung ab und führte zum Gelände des Kleingartenvereins Eversten-Bloherfelde und weiter zum Brandsweg. Der Kamp mit seinen vielen Bäumen war für uns Kinder ein beliebter Spielbereich.

Oben links: Blick nach Osten auf Kamp (Schützes Weg und Abzw. Weg zum Brands-weg);rechts: Osterkamps-weg Abzw. Schützes Weg. Bilder unten: Blick auf Hof Schütze und Karte (rot beschriebene Wege des Kamps; lila: Osterkampsweg) 

In dem Gebiet befinden sich heute noch Grünflächen, Sportplätze und der Aktivspielplatz Eversten. Schützes Weg verlief dagegen in westlicher Richtung, ungefähr dem heutigen Thomas-Dehler-Straße folgend, in Höhe des jetzigen Wendeplatzes, führte der Weg dann weiter in nördlicher Richtung, vorbei am Gehöft des Bauern Schütze ( s. Farbfoto oben) über einen Wasserzug und durch eine Wallhecke zur Bloherfelder Straße. Ab Mitte der 60er Jahre entstanden zunächst nördlich des Wasserzuges Wohnblocks und Kleinsiedlungen im Rahmen des Demonstrativprogramms Eversten-Bloherfelde. Südlich des Wasserzuges bis zum Osterkampsweg war zwar erst der Bau von Einfamilienhäusern vorgesehen, aber in den 70ern entstanden dort auch Wohnblocks, so dass das verbliebene Wohnhaus der Familie Schütze heute von Hochhäusern umzingelt wird. Der Name Kamp ist heute wahrscheinlich nur noch den Alteingesessenen bekannt.

Osterkampsweg Abzw. Kennedystr. im Jahr 1977 und am 13.08.2006

Aber woher kam die Bezeichnung Kamp für dieses Gebiet. In dem Buch „Eversten“ von Georg Bredendiek liest man, dass der Osterkampsweg seine Bezeichnung nach dem beiderseits des Weges liegenden Moorgebietes erhalten hat, das im Moorregister von 1601 „Achter Otzen Kampe“ hieß. 1638 wurde daraus Otzen Kamp, 1693 Otzen Camper Weg, um 1800 sprach man vom Ostenkamperweg, bevor 1840 daraus in den amtlichen Unterlagen die heutige Bezeichnung wurde. Kamp bedeutet Grundstück, das Anwesen der Familie Otzen, der sogenannte Otzen Kamp soll südlich des Abenteuerspielplatzes Eversten gelegen haben, ungefähr dort wo sich in den 60er Jahren noch das Kleingartengelände befunden hat. Vielleicht wurde deshalb später das ganze Gebiet von den Einheimischen Kamp genannt.


Seit 2005 steht am Marktplatz Eversten am Beginn des Eversten Holz ein Standbild eines Ebers, als Symbol von Eversten. Der Eber war bereits das Wappen des Adelsgeschlecht von Eversen, die einst im Gebiet des heutigen Eversten wohnten. Bereits im Siegel von Johannis de Everse aus dem Jahre 1285 taucht der aufrecht stehende und nach links schauende Vorderteil eines Ebers (Ever), mit seinen markanten Merkmalen wie Hauer, Borsten auf den Rücken bis zu den Augen hinziehend und den stark ausgeprägten Vorderpfoten auf. Nach 1511 verschwand mit dem Familiennamen auch das Wappen derer von Eversen.(Quelle: "Eversten von 1200 bis ins 20.Jahrhundert" von Georg Bredehorn).

Der Marktplatz Eversten wie dieser Teil der Wienstraße jetzt heißt wird seit dem 17.11.2005 vom Everster Wappentier dem Eber geziert.

Ob das Wappen auch schon von der 1897 gebildeten Gemeinde Eversten verwandt wurde, ist mir nicht bekannt, aber bei Vereinen des Stadtteils findet man häufig den Eber als Symbol. Noch heute führt der Gesangsverein Teutonia Eversten den Eber in seinem Vereinswappen oben rechts über den Notenschlüssel. Auch der Bürgerverein Eversten führt den Eber als Vereinslogo, nach der Umbenennung in Bürgerverein Oldenburg-Eversten e.V., verwandte man bei Mitteilungen im Oldenburger Bürger eine zeitlang statt des Wappens mit dem Eberkopf jedoch das damalige Logo der Stadt Oldenburg (Oldb). Erst ab 2009 taucht der Eber auch wieder bei Mitteilungen des Bürgervereins in der "Oldenburger Monatszeitung" auf. Das Wappen mit dem Eber wird auch als Symbol des Vereins "Eversten Markt Management e.V." verwandt, der seit März 2006 jeden Mittwoch auf dem Marktplatz Eversten den dortigen Wochenmarkt veranstaltet.

Das Wappen ist auf der Homepage des Bürgervereins Oldenburg-Eversten  zu sehen.


Wie der Teufel Oldenburg vernichten wollte 

Vor vielen 100 Jahren gründeten die Ammerländer Grafen an der Stelle, wo die Haaren in die Hunte mündet, eine Burg, die den Zugang zum Ammerland beherrschte. Bauern und Fischer, Kaufleute und Handwerker ließen sich bei der ammerschen Burg nieder, die dann Oldenburg genannt wurde. Als immer mehr Volk zusammenströmte, beschlossen die Bürger der Stadt eine Kirche zu bauen und steckten neben dem Marktplatz den Bauplatz für ein Gotteshaus ab. Das verdross den Teufel sehr und er gedachte den Plan zu verhindern. In einer dunklen Nacht stieß der Schwarze von oben in das Herz des Ammerlandes herab und ergriff einen großen Wald zwischen Elmendorf und Zwischenahn. Mit vieler Mühe hob er den schweren Brocken in die Lüfte und flog langsam auf Oldenburg zu. Als er eine gute Strecke vorangekommen war, bemerkte er im Osten einen hellen Streifen am Himmel und hörte sogleich einen weißen Hahn unter sich krähen. Da erschrak er, weil er wusste, dass er beim dritten Hahnenschrei alle Macht verlieren würde und sprach: Witte Hahn witt, ick acht di en Schitt und wiek di kein Schritt.  So rasch er nur konnte, flog er weiter. Über eine kleine Weile bemerkte er, dass im Osten das Morgenrot am Himmel heraufzog und hörte unter sich einen roten Hahn krähen.  Da erschrak er noch mehr, denn er war noch lange nicht am Ziel, und die Last drückte ihn schwer. In seinem Zorn rief er Rode Hahn rot, du trettst mi up den Fot, wat makst du mi för Not. Um rascher voranzukommen, ließ er einen Teil seiner schweren Last herabfallen. Das ist der kleine Wildenloh. Erleichtert flog er weiter, aber der Tag kam schneller herauf, als er gedacht hatte. Mit dem ersten Sonnenstrahl ließ ein schwarzer Hahn sein „Kükerükü“ erschallen. Da hatte der Teufel sein Spiel verloren, denn die Hähne hatten dreimal gekräht. Da schrie er vor Zorn Swarte Hahn swart, du dreppst mi in´t Hart. O, wo mi dat smart! Er warf den Rest der waldigen Last ins Moor und das ist der große Wildenloh. Das tiefe Loch aber, wo der Teufel den Wald ausgerissen hatte füllte sich mit Wasser. So entstand das Elmendorfer oder Zwischenahner Meer. Die Stadt Oldenburg blieb seither vom Teufel unbehelligt. Quelle:Hermann Lübbing Oldenburgische Sagen Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg 1968

Weitere Sagen aus dem Oldenburger Land:

Graf Friederichs Löwenkampf

Oldenburger Wunderhorn und eine weitere Fassung

Das Zwergenvolk in den Osenbergen

Die Gertrudenlinde

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